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Grundsatzentscheidung für die H2-Zillertalbahn gefallen

Jenbach 31.1.2018 - In den letzten Monate arbeiteten die Verantwortlichen der Zillertaler Verkehrsbetriebe AG sehr hart mit FEN-SYSTEMS und den Partnern des Green Energy Centers Europe - insbesondere dem HyCentA aus Graz - an der Entscheidungsvorbereitung. Die Möglichkeiten und Risiken der Variante des wasserstoffelektrischen Betriebes wurden dabei im Detail durchleuchtet und für die Entscheidungsträger aufbereitet.  

Die Zillertalbahn wird in Zukunft als erste Schmalspurbahn der Welt mit Wasserstoff fahren. Das haben die Gesellschafter der Zillertalbahn im Rahmen ihrer 317. Aufsichtsratssitzung beschlossen. Das Zillertal schlägt damit eine große Brücke von der fossilen Welt des Dieselbetriebes zur grünen Welt des wasserstoffelektrischen Betriebes mittels Brennstoffzelle und sorgt damit für internationales Aufsehen. Das Element “Wasserstoff” spielt dabei die zentrale Rolle als “Brückenenergieträger”. Der grüne Wasserstoff wird aus den eigenen Ressourcen der Zillertaler – Wasser und Strom aus Wasserkraft – hergestellt, zwischengespeichert und nach Bedarf für den Betrieb der neuen Zillertalbahn eingesetzt.
Die Zillertaler Verkehrsbetriebe haben sich unter dem Vorsitz von Herrn Aufsichtsratsvorsitzenden Franz Hörl zu diesem visionären Schritt entschlossen. Dieser hat vor mehr als 10 Jahren zusammen mit seinem damaligen Bürgermeisterkollegen und jetzigem LHStv. Josef Geisler die Bewegung „Fünf Sterne für Regionen“ losgetreten, welche in der Folge zu einem – mit vielen nächtlichen Sitzungsstunden der Zillertaler Akteure verbundenen – Regionalentwicklungsprogramm geführt hat. Die neue Zillertalbahn ist ein wichtiger Baustein dieses visionären Leitbildes. Mit dem wasserstoffelektrischen Antrieb für die neue Bahn zeigt die touristische Weltmarke „Zillertal“ jedenfalls höchste ressourcenwirtschaftliche Verantwortung im Sinne der Zillertaler Nachhaltigkeitsstrategie. Diese besagt, dass Lösungen im ständigen Ausgleich der natürlichen Spannungen zwischen sozialen, ökologischen und ökonomischen Interessen erarbeitet werden müssen.
“Zum Winterfahrplan 2022 gehen wir mit der Wasserstoffbahn in Betrieb”, informiert der technische Vorstand der Zillertalbahn Dipl.-Ing. Helmut Schreiner. „Mir ist bewusst, dass mit der innovativen Technik auch Umsetzungs- und Kostenrisiken verbunden sind. Daher haben wir in den letzten Monaten mit der Firma FEN-SYSTEMS und den weltweit vernetzten Partnern des Green Energy Center Europe in Innsbruck hart gearbeitet, um die Risiken der Variante wasserstoffelektrischer Betrieb im Detail zu durchleuchten. Wir haben die so genannte Molinari-Grundsatzstudie um diese Aspekte ergänzt und einen Vergleich mit den Varianten Diesel- und Oberleitungsbetrieb angestellt. Dabei ist der Dieselbetrieb sehr bald ausgeschieden. Hier würden die mit Abstand höchsten Kosten entstehen. Und das Problem eines CO2 Ausstoßes von mehr als 2,2 Mio. kg pro Jahr würde bestehen bleiben.
Das ist nicht mehr zeitgemäß. Bei der Variante Oberleitung sind die notwendigen neuen Triebwagenzüge am günstigsten. Aber es ist eine teure Fahrleitungsinfrastruktur notwendig. Diese kann bei der Variante des wasserstoffelektrischen Betriebes gänzlich eingespart werden. Rechnet man die Mehrkosten der Wasserstoff-Triebwagenzüge und der Wasserstoff-Herstellungsanlagen zusammen, wiegt sich das in etwa mit der Oberleitung auf. Auch die Energiekosten sind bei beiden Varianten praktisch ident. Bei der Variante Oberleitung müssen die Züge mit Spitzenstrom betrieben werden. Bei der Variante Wasserstoff können die Wasserstoff-Herstellung und der Wasserstoff-Bedarf entkoppelt werden. Der für die Wasserstoff-Herstellung benötigte Strom kann zu Schwachlastzeiten viel günstiger beschafft werden. Das kompensiert preislich den Mehrstrommehrbedarf. Aus der intensiven Arbeit ist mittlerweile auch ein hoch professionell agierendes Team entstanden, das mich als technischen Vorstand in der Sache H2-Zillertalbahn mit der heutigen Entscheidung ruhig schlafen lässt”, sagt Dipl.-Ing. Helmut Schreiner unter Hinweis darauf, dass für das Genehmigungsverfahren für die neue Technologie sogar ein eigenes Wasserstoff-Innovationslabor im Green Energy Center Europe in Innsbruck eingerichtet wird, welches die Experten von der Wasserstoff-Forschungsstelle HyCentA aus Graz, FEN-SYSTEMS in Tirol und weitere Akteure vereint.
“Wer in der Zukunft wirtschaftlich noch dabei sein will, muss sich auch trauen etwas zu riskieren. Wenn ich sehe, mit wie viel Kompetenz hier die Risikofelder bearbeitet wurden, dann trau ich mich als Unternehmer auch die Verantwortung für diese Weltneuheit zu übernehmen. Die Sieger müssen in jedem Fall die jungen Leute im Zillertal sein. Ich freue mich, wenn sie erkennen, dass wir hier nicht nur einen weiteren Lösungsbaustein für unser Verkehrsproblem in die Welt setzen, sondern auch dafür sorgen, dass wir dafür auch unsere eigenen Ressourcen für unsere eigenen Zwecke einsetzen, bevor es andere tun oder tun müssen”, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende der Zillertalbahn AG Franz Hörl.
“Die heute beschlossene Wasserstoffvariante entspricht auch voll und ganz unserer Zielsetzung Tirol bis zum Jahr 2050 energieautonom zu machen. Das Zillertaler Bahnprojekt wird in der vorliegenden Form zudem auch eine weitere Drehscheibe im Tiroler Verkehrsverbund sein. Es muss allen Anforderungen, welche von den Experten des Landes Tirol und des VVT festgelegt wurden, entsprechen.” betont der Landeshauptmann Stellvertreter von Tirol Josef Geisler.
„Damit wurde eine sehr hohe Latte für die Schmalspurbahn gelegt”, betont Dipl.-Ing. Helmut Schreiner. „Die zukünftige Wasserstoffbahn wird der großen S-Bahn im Inntal – vor allem was die Beschleunigung betrifft – um nichts nachstehen. Das bedeutet, dass gegenüber dem derzeitigen Dieselbetrieb die zweifache Power auf die Schiene gebracht werden muss. Wir beginnen im Jänner 2018 mit den Ausschreibungsarbeiten für die Produktion der Wasserstoffbahngarnituren. Parallel dazu müssen die Finanzierung und die Genehmigungen durch den Verkehrsverbund und das Land Tirol eingeholt, sowie die Trassen- und Baugenehmigung in Mayrhofen erwirkt werden.”, erläutert Dipl.-Ing. Helmut Schreiner unter Hinweis auf den knappen Terminplan. Auch das ist in Anbetracht der notwendigen Abwägung aller Interessen keine Leichtigkeit, aber so, wie ich die Akteure des Zillertals bisher erlebt habe, werden wir auch diese Aufgaben professionell im Sinne des sozialen, ökologischen und ökonomischen Ausgleichs meistern können”, sagt Dipl.-Ing. Helmut Schreiner unter Hinweis auf die diesbezügliche Zillertaler Nachhaltigkeitsstrategie abschließend.

 

Zlllertalbahn mit Dieselantrieb und Wasserstoff-Brennstoffzellenauto
vlnr. Stv.AR-Vors. Bgm. Dominik Mainusch, AR-Vors. NR Franz Hörl, GF Helmut Schreiner, LH Stv. Josef Geisler, GF Wolfgang Stöhr
vlnr. GF Dipl.-Ing. Helmut Schreiner, Landeshauptmann Günther Platter, LH Stv. Josef Geisler, GF DI (FH) Wolfgang Stöhr
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